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Kunst und Unternehmen

Von Dr. Katerina Vatsella, Kunsthistorikerin und Verlegerin

Die Werte und die Haltung eines Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern und im Auftreten nach außen bilden die Basis jeder Unternehmenskultur. Darin spiegelt sich das Selbstverständnis und der Geist eines Unternehmens, seine Corporate Identity. Dieses Selbstbild will gepflegt und entwickelt werden, wie das Unternehmen selbst. Es will aber auch vermittelt werden. Eine gute Möglichkeit, dies zu realisieren, bietet die Auseinandersetzung mit Kunst.

Die Beschäftigung mit Kunst kann sowohl nach innen als auch nach außen wirken. Nach innen kann sie das Betriebsklima positiv beeinflussen, indem die Räume für die Mitarbeiter durch Kunst attraktiver gestaltet und so die Arbeitsatmosphäre verbessert werden kann. Sie kann außerdem den Mitarbeitern Anregungen für die eigene Kreativität und die Möglichkeit geben, ihren Horizont jenseits der alltäglichen Arbeit zu erweitern. Das motiviert und stärkt ihre Identifikation mit dem Unternehmen.

Nach außen wiederum kann die Beschäftigung mit Kunst dazu dienen, das Image des Unternehmens zu transportieren, sein Engagement der Öffentlichkeit zu präsentieren und Kundenkontakte zu pflegen. Kunst ist ein sensibles Instrument, mit dem man sich in der Öffentlichkeit sehr genau positionieren kann. Mit der richtigen Auswahl von Kunstformen und Kunstqualität, lässt sich das eigene Bild ohne Worte der Öffentlichkeit sehr gut übermitteln. So steht schon die Entscheidung für eine bestimmte Kunstrichtung jeweils für das Selbstbild, das Selbstverständnis des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Dynamik, beispielsweise, hoher Qualitätsanspruch, Offenheit für die Inspiration aus anderen Bereichen als den eigenen, Kreativität, Experimentierfreude, Verantwortungsbewusstsein fürs Gemeinwohl und ähnliche Inhalte werden nicht nur der breiten Öffentlichkeit, sondern auch dem eigenen Kundenkreis vermittelt. Sie lassen sich sehr gut kommunizieren, was auch eine Präsenz in den Medien unterstützt.

Es gibt in Bremen mehrere erfolgreiche Beispiele für Kunst im Unternehmen. Eines davon ist eine Ausstellungs- und Publikationsreihe, welche die swb-AG von 2000 bis 2006 durchgeführt hat. Die swb hatte sich damals neu positioniert – aus einer städtischen Institution war ein innovatives Unternehmen geworden. Diesem veränderten Selbstbild entsprach die Beschäftigung mit aktueller, vielseitiger, experimenteller Kunst, die unterschiedliche Techniken verwendet sowie interdisziplinär und multimedial arbeitet. Eine Reihe von Katalogen begleitete die halbjährlich wechselnde Ausstellungen und zeugt von Professionalität und einem hohen Anspruch, die sowohl dem Unternehmen als auch den Künstlern angemessen war.

Ein weiteres Projekt von Kunst im Unternehmen war von 2002 bis 2003 die Präsentation von Kunst in der Bremer Mercedes-Benz Niederlassung. Den Mitgliedern des BKK wurde ermöglicht, ihre Arbeiten in einem Show-Room zu präsentieren und sie mit einem großzügig aufgemachtem Faltblatt zu begleiten. Auch im alten Radio Bremen Gebäude an der Bürgermeister-Spitta-Allee, wurden zwischen 2003 und 2007 Künstlerinnen und Künstler eingeladen, in der Kantine des Rundfunkhauses ihre Arbeiten zu präsentieren. Ein Katalog begleitete die Präsentation der Arbeiten und diente der Dokumentation der Werke auch nach der Ausstellung.