Kunstbücher
Von Barbara Alms, Philosophin, Germanistin, Kunstwissenschaftlerin und ehemalige Leiterin der Städtischen Galerie Delmenhorst Haus Coburg
Schöne Bücher sind für ein Kunsthaus wichtig, aber auch andere Drucksachen sollen schön sein: Flyer, die sich zum Leporello auswachsen, kleine Broschüren, Plakate. Sie sind Ausdruck des Bekenntnisses zu Form und Sinnlichkeit, sie wenden sich an die Welt und schaffen eine adäquate Vermittlung zum Publikum. Die Kunstbücher mit ihren sinnlichen, psychischen und intellektuellen Qualitäten sind nicht nur Boten der Kunst, des Kunsthauses und seiner temporären oder dauernden Ausstellungen, sondern sie haben auch einen spezifischen Eigenwert.
Dass jede Kunstausstellung in einem Museum oder Kunsthaus einen mehr oder weniger dicken Katalog mit sich bringt, war nicht immer so.
Tatsächlich ist der Ausstellungskatalog, der in den Anfängen des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts als kurzer informativer Führer durch die Ausstellung diente, in dieser Funktion verschwunden oder hat sich zumindest relativiert.
Innerhalb der Flut heute anzutreffender Kunstkataloge spielen die kunsthistorischen Ausstellungskataloge (wie »Paris leuchtet« oder »Ernst Ludwig Kirchner – Großstadt, Eros und Natur«) eine besondere Rolle. Dem Ausstellungskatalog sind in den letzten Jahren zunehmend fachwissenschaftliche Aufgaben zugewachsen, so dass er zum Forum kunsthistorischer Thesen und Erörterungen geworden ist. Aber auch die Kataloge zu zeitgenössischer Kunst behaupten, wenn sie nicht nur Bilderbuch sind, sondern auch Analyse und Aufklärung anstreben, kunstwissenschaftliche Bedeutung.
Spätestens seit den 1980er Jahren ist der Kunstkatalog zu einem wichtigen Kommunikationsmedium geworden.
Von guter haptischer Qualität sollen Kataloge sein, so sind Papier und Umschlag von besonderer Bedeutung. Farblich anregend, aber nicht dominierend, und dem Inhalt adäquat sollen sie gestaltet sein, so kommt es auf die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Bildmaterial an. Spannend und abwechslungsreich bei durchgehender ruhiger Linie sollen sie wirken, so folgen auf die Totalen die Close Ups. Bildstrecken und Texteinheiten wechseln sich ab. Werkdarstellung und die Reflexion der künstlerischen Werke sind an anderen Stellen so miteinander verflochten, dass eine direkte bildliche Veranschaulichung des sprachlich Dargestellten möglich ist.
Als Produkt eines Kunsthauses bezieht sich der Kunstkatalog in besonderer Weise auf die Entwicklung der aktuellen Kunst und die damit verbundenen sich wandelnden ästhetischen Auffassungen. Da er seinen jeweiligen besonderen Inhalt repräsentiert und den sich ständig verändernden Anforderungen entspricht, ist jeder Katalog ein Individuum. Andererseits ist der Katalog ein Teil der Buch- oder Publikationsfamilie des Kunsthauses. So steht er in Reihen – in der Städtischen Galerie Delmenhorst z. B. in der Folge »Neue Malerei« – und trägt in Format und Gestaltungslinie wieder erkennbare Züge. Sie werden geprägt – nicht zuletzt – durch die Handschrift des Gestalters.